ERSTE EVALUATION DES DOPPELPASS (2012 – 2015)

 

Die Initiative „Doppelpass – Fonds für Kooperationen im Theater“ ist das dritte Strukturförderprogramm der Kulturstiftung des Bundes, Kernstück ist ein zweijähriges Residenzprogramm, innerhalb dessen freie Guppen und feste Theaterhäuser gemeinsame Projekte erarbeiten können.
 

Fragestellungen

Die von der Kulturstiftung des Bundes in Auftrag gegebene Evaluation hatte zum Ziel, den Fonds qualitativ auf die Erreichung seiner Ziele zu überprüfen. Drei Fragestellungen standen im Mittelpunkt der Untersuchung. Erstens zur Grundausrichtung des Förderprogramms: Welche Wirkungen des Fonds auf die deutsche Theaterlandschaft zeichnen sich für die Projektpartner bislang ab? Zweitens zu den Zielen (Outcome) der zweijährigen Kooperationen: Welche Veränderungen hat das Programm bei den Projektpartnern bewirkt ­– welche Erwartungen wurden erfüllt, enttäuscht oder überrascht? Drittens zur konkreten Durchführung der Residenz: Welche Faktoren haben eine hilfreiche bzw. eine hinderliche Rolle gespielt?   

Die Durchführung der Evaluation wurde von Frau Anne-Catherine de Perrot (Evalure, Zürich) im Zeitraum 2014/2015 übernommen. Zum Zeitpunkt der Auftragserteilung wurden 32 Projekttandems im Fonds gefördert. Beide Projektpartner wurden unabhängig voneinander von Frau de Perrot in persönlichen Interviews befragt. Letztendlich wurden 58 Interviews realisiert, die anonymisiert und qualitativ ausgewertet wurden. Die komplette Studie ist im Anhang unten angefügt.       

                                                                                                                        

Ergebnisse

Nachhaltige Wirkung und Dynamisierung

Im Hinblick auf das Hauptziel des Fonds, die nachhaltige Stärkung der deutschen Theaterlandschaft, zeigte sich die große Mehrheit der Interviewten überzeugt, dass der Doppelpass einen Entwicklungsprozess, die zunehmende Durchlässigkeit der Grenzen zwischen Stadttheatern und freier Szene, aufgegriffen und nachhaltig dynamisiert habe. Das Programm verstärke das wechselseitige Verständnis. Die Strukturdebatte werde intensiviert  und in Richtung Öffnung gelenkt. Nicht zuletzt habe der Fonds zu einer wichtigen Aufwertung der freien Szene als förderwürdig geführt und die Professionalisierung ihrer Akteure weiter gefördert.

 

Überwiegend erfüllte Erwartungen

Hinsichtlich der Projektziele (Outcome) des Fonds Doppelpass, das Erproben neuer Formen der Zusammenarbeit und künstlerischer Produktion, ergab der Abgleich von Erwartungshaltungen und tatsächlich gemachten Erfahrungen ein überwiegend positives Bild. Für die freien Gruppen wie für die festen Häuser standen zu Beginn der Kooperation ähnliche Motive im Vordergrund: Der Wunsch nach inhaltlicher künstlerischer Kontinuität über zwei Jahre, die Neugier auf andere ästhetische Ideen, Formate und Arbeitsweisen, die Hoffnung auf Vernetzung in der Stadt bzw. Erweiterung des eigenen Zielpublikums. Diese Erwartungen wurden von sehr vielen Projektpartnern als erfüllt angegeben. Ausdrücklich erwähnten viele Theater ihr gewachsenes Verständnis für Akteure der freien Szene und die unerwartet positive Wirkung auf ihr eigenes Publikum.

 

Faktoren einer erfolgreichen Kooperationen

Konkrete Faktoren für eine gelungene bzw. schwierige Kooperation im Rahmen der Residenz waren u.a. die Verankerung des Projekts auf höchster Ebene des Hauses, ein ähnlich hohes Interesse am Projekt auf beiden Seiten und die frühe gemeinsame Planung des Projekts und Ausfertigung des Antrags. Vertrauen und Offenheit seien stets der Kern einer guten Kooperation gewesen. Die Etablierung einer erfahrenen Produktionsleitung in der Tandemstruktur habe sich als sehr sinnvoll erwiesen. Grundsätzlich stellten alle Projektpartner einhellig fest, dass ungeachtet der Erfolge oder Misserfolge der Kooperation die Zusammenarbeit ein wichtiger Erfahrungs- und Lernprozess gewesen sei. Alle Interviewten können sich vorstellen, eine solche Kooperation erneut zu wagen.

 

Empfehlungen

Zusammenfassend empfiehlt die Evaluation das Programm weiterzuführen: Eine weiter steigende Zahl an Doppelpass-Tandems sei ein zentraler Beitrag zur nachhaltigen Wirkung des Hauptziels des Fonds – die deutsche Theaterlandschaft zukunftsfähig zu machen. Dabei sollte das Programm inhaltlich geschärft und die bislang bewusst sehr offen gestalteten Outcome-Ziele des Fonds bezüglich künstlerischer Qualität, Strukturveränderungen und der Öffnung zur Stadt konkretisiert werden. Die genannten förderlichen bzw. erschwerenden Faktoren für eine gute Kooperation sollten frühzeitig bei der Antragsberatung und der Bewerberauswahl berücksichtigt werden.

 

 

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