Bartleby - Eine Geschichte von der Wall Street (UA)

"Ich möchte lieber nicht!"

„I would prefer not to!“ Mit diesen schlichten Worten bringt der unscheinbare Angestellte Bartleby seinen Arbeitgeber auf die Palme und reüssiert als eine der schillerndsten Figuren der Literaturgeschichte. Bartleby ist ein Hilfsarbeiter, der in einer New Yorker Rechtsanwaltskanzlei Kopierdienste versehen soll. Doch immer öfter verweigert er sich den Aufträgen seines Arbeitgebers, zieht sich zurück und tut – ja, was eigentlich? In den Augen seines Chefs tut er nichts. Aber so einfach hinauswerfen will man ihn auch nicht – zu sanft scheint sein Wesen, zu unbestimmt sein Zögern, zu wenig greifbar seine Verweigerung. Schließlich igelt er sich vollends ein und zieht es am Ende sogar vor, nicht mehr die Kanzlei zu verlassen ...

Mit „Bartleby“ hat Herman Melville, der Schöpfer von „Moby Dick“, den Grundtypus des passiven Widerstands geschaffen. Ein friedlicher Verweigerer, ein Sandkorn im reibungslosen Getriebe des neoliberalen Turbo-Kapitalismus, der Philosophen wie Giorgio Agamben, Gilles Deleuze oder Slavoj Žižek zu Deutungen herausforderte und den die Occupy Wall Street Bewegung zu ihrer Gallionsfigur erkor. In einer modernen Oper für einen Opernsänger, einen Tänzer und das Puppentheater Handgemenge präsentiert das Theater Vorpommern seine Uraufführung „Bartleby – Eine Geschichte von der Wall Street.“

Mit seiner Musik lotet Daniel Schellongowski Möglichkeiten moderner Kompositionstechnik aus, ohne vollständig tonale Bezüge auszuschließen. Dabei begibt er sich natürlich auch in Grenzbereiche der Tonalität, findet fließende Übergänge zwischen Musik und Geräusch, schafft die atmosphärische Klammer. Dem klaren, fast minimalistischen Bühnenraum von Christian Werdin mit seinen zwei raffinierten Aufschreibsystemen steht eine farbig schillernde und changierende Musik gegenüber. Klassische Formen wie Arien und Rezitative werden in Form und Funktion bedient, fließend ineinander über, inspiriert von den verschiedensten Epochen der Musikgeschichte. Neben gewohnten instrumentalen Klängen, die vorher eingespielt wurden, werden ungewohnte computergenerierte Töne bis hin zu Geräuschen zur Schaffung einer neuen Musiksprache miteinander verwoben. Dazu singt der Bariton Thomas Rettensteiner live.

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